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Burgruine Gleichen
( Wanderslebener Gleiche )
(Wandersleben)
Chronik:
Vermutlich im 11. Jh. entsteht die Burg unter den Grafen von
Weimar-Orlamünde, denen zu dieser Zeit bereits die benachbarte Mühlburg
gehört.
1034 datiert die erste Erwähnung als "Gliche" in den Annalen des Klosters
von Reinhardsbrunn (Ableitung vom Keltischen: "glich" = Felsen).
1088 belagert Kaiser Heinrich IV. die Burg 4 Monate lang vergeblich. Er
liegt in Fehde mit dem Markgrafen Markgraf Ekbert II. von Meißen, der die
Burg besetzt hält. Am Weihnachtsabend wird das kaiserliche Belagerungsheer
durch ein Entsatzheer Ekberts unter erheblichen Verlusten in die Flucht
geschlagen.
1090 stirbt Ekbert durch Heinrichs Häscher eines gewaltsamen Todes.
Weitere Auseinandersetzungen um das Reichslehnsrecht und um die
weimarischen Lehnsgüter unter Heinrich V. im ersten Viertel des 12.
Jahrhunderts enden mit dem Sieg der Feudalmächte. Ein am weimarischen Erbe
beteiligter Sproß der Grafen von Ballenstädt, Wilhelm bei Rhein, schenkt
die Burg Gleichen dem Erzbischof Adalbert von Mainz, um sich dessen Hilfe
gegen die Reichsgewalt zu sichern.
1130 belehnt Mainz die Grafen von Tonna , ein aufstrebendes
Feudalgeschlecht, Vögte der Stadt und des Petersklosters Erfurt, mit der
Burg Gleichen.
1162 datiert eine Urkunde, die belegt, dass sie sich nach der neu gewonnen
Burg „Grafen von Gleichen“ nennen. Es gibt auch Mutmaßungen, dass Ihnen
bereits zur Zeit der Weimarer Machtentfaltung die Burg gehörte und sie
diese dann wieder als Lehen zurück erhielten.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erreichen sie unter dem Grafen Lambert, als
Vögte der Stadt Erfurt, ihre größte Machtentfaltung in der
Feudalgesellschaft. Ihre enge Bindung an das Erzbistum Mainz führt zu
Spannungen mit den Landgrafen von Thüringen. Kriegerische
Auseinandersetzungen und beiderseitige Verwüstungen gegnerischer Gebiete
bleiben dabei nicht aus. Auch Burg Gleichen steht mehrfach im Brennpunkt
des Geschehens.
Am 31.Mai 1230 brennen die Türme auf den Häusern Wassenburg, Mühlberg und
Gleichen aufgrund eines Blitzeinschlages. Daher der Name "die Drei
Gleichen".
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts setzt der wirtschaftliche Niedergang
dieses Geschlechtes ein. Das aufstrebende Bürgertum der Stadt Erfurt nutzt
die Gelegenheit, die Vormundschaft ihrer Vögte zu beseitigen und den
Gleichengrafen das so einträgliche Vogteirecht abzuringen. Die Grafen
geraten in wirtschaftliche Abhängigkeit der Städter. Es entsteht eine
Synergie zwischen beiden Parteien, in dem sich die Erfurter die
militärische Stärke der Grafen zu nutzen machen.
Doch im 15. Jh., im sächsischen Bruderkrieg, tritt das Gegenteil ein. Graf
Siegmund, der Thüringer Teufel genannt, und sein Bruder Adolf halten zum
Herzog Wilhelm, während Erfurt zu Kurfürsten Friedrich steht. Es kommt
beiderseits zu Verwüstungen gegnerischer Gebiete. Zudem beherbergen
Siegmunds Mannen den Straßenräuber Apel Vitztums auf Burg Gleichen.
1449 wird die Burg deshalb von kurfürstlichen und Erfurter Truppen
belagert, die Belagerung aber erfolglos abgebrochen. Man einigt sich
schließlich und die Erfurter dürfen die Zeche zahlen.
1550 beginnen die Gleichengrafen den Bau des Renaissanceschlosses
Ehrenstein in Ohrdruf.
1588 erfolgt die letzte große Bautätigkeit. Das Herrenhaus wird
schlossähnlich ausgebaut. Doch nur 2 Jahre später verlegt man die gesamte
Hofhaltung von Tonna in das Schloß nach Ohrdruf. Burg Gleichen wird als
Grafenwohnsitz aufgegeben.
1631 stirbt mit Graf Hans Ludwig das Gleichengeschlecht aus. Die
gleichenschen Besitzungen verteilen sich durch Erbverträge auf unzählige
Thüringer Kleinstaaten.
Auf die im Dreißigjährigen Krieg beschädigte Burg Gleichen mit
Wandersleben erhebt der Kurfürst von Mainz als Lehnsherr Anspruch und gibt
sie den Grafen von Halzfeld zu Lehen.
Bis 1720 wohnt noch ein Beamter der Hatzfelder auf der Burg. Danach steht
sie leer und der Verfall setzt ein.
1803 kommt die Ruine durch Reichsdeputationshauptschluß an das Königreich
Preußen.
1806 besetzen die Franzosen das Gebiet, so auch die Ruine.
1811 erwirbt die die Universität Erfurt die alten Mauern, um sie vor dem
Abriß zu bewahren.
Doch 1816, nach Aufhebung der Universität durch Preußen, kauft der
Freiherr von Muffling auf Ringhofen die Ruine, um große Teile des
Herrenhauses und anderer Bauten als Baumaterial zu veräußern.
Um 1900 bemühen sich erstmalig Heimatfreunde des Thüringer Wald Vereins um
die wüste Stätte. Spenden dienen dazu, den baufälligen Burgturm als
Aussichtsturm herzurichten und den fortschreitenden Verfall der
Ruinenteile aufzuhalten.
Seit 1930 ist die Ruine Eigentum der Stadt Erfurt.
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